Fotos: Stefan Hoppe
Die Nationalhymne erklingt, auf den Tribünen herrscht gespannte Erwartung. Vor dem Finale der weiblichen U18 Deutschen Meisterschaft Mitte Mai in Paderborn richtete sich der Blick nicht nur auf die beiden besten Nachwuchsteams Deutschlands, denn mitten im Geschehen standen auch zwei Vertreter der SG Sendenhorst: Mittelblocker Joachim Busch und Zuspieler Stephan Klaes aus der ersten Herrenmannschaft leiteten als Schiedsrichter das Endspiel eines der größten Jugendturniere des Landes. Das war eine besondere Ehre für sie: Über das gesamte Wochenende wurden die Schiedsrichter von Beobachtern begutachtet, die dann entschieden, wer sie überzeugt hat und deshalb das Finale pfeifen darf. Die Wahl fiel dann auf Busch und Klaes, worüber sich die beiden natürlich sehr freuten. „Das war schon cool, das mit einem Mannschaftskollegen machen zu können“, sind sie sich einig. Obwohl es ‚nur‘ ein Jugendwettbewerb war, sei die Veranstaltung mit den besten Teams Deutschlands, großem Publikum und feierlicher Atmosphäre ein riesen Event gewesen. „Das war sehr besonders, da auch mitwirken zu können“, schwärmen beide.
Dass die beiden Sendenhorster dort stehen würden, war keineswegs von Anfang an geplant. Neben ihrer aktiven Spielerkarriere haben sich Busch und Klaes in den vergangenen Jahren Schritt für Schritt im Schiedsrichterwesen nach oben gearbeitet. Dabei ist die von beiden erworbene B-Lizenz bereits eine Besonderheit. Es ist die zweithöchste Qualifikation im deutschen Volleyball, mit der das echte Schiedsrichterwesen erst richtig losgeht. Während die unteren Lizenzstufen vor allem die Grundlagen vermitteln, recht einfach zu erwerben sind und von vielen Volleyballern absolviert werden, besitzen nur wenige aktive Amateurspieler diese hohe Qualifikation. In Sendenhorst sind Busch und Klaes sogar die einzigen aktiven Spieler, die eine B-Lizenz besitzen.
Der Weg dorthin ist dementsprechend anspruchsvoll. Die B-Lizenz besteht aus einer theoretischen Prüfung und einem Praxisteil, der sich über eine ganze Saison erstreckt. Dabei werden die Schiedsrichter regelmäßig von Beobachtern bewertet und erst nach fünf positiven Beurteilungen erhalten sie die Lizenz. Dieser Prozess geht dann auch immer so weiter: Die Schiedsrichter werden regelmäßig beobachtet und wer überzeugt, erhält nach und nach die Zulassung für die nächsthöhere Spielklasse – zunächst für die Oberliga, anschließend für die Regionalliga und schließlich für die 3. Liga.
Busch wuchs in Baden-Württemberg auf und erwarb dort seine ersten Schiedsrichterlizenzen. Nach seinem Umzug in die Region Münster im Jahr 2019 machte er die B-Lizenz. „Ich habe sie damals vor allem gemacht, um sie einfach zu haben und weil Schiedsrichter immer gebraucht werden und ich so meinen Teil zum Volleyball beitragen kann“, erzählt er. Anschließend war er ein paar Jahre als Pflichtschiedsrichter für seinen damaligen Verein, den USC Münster, im Einsatz. Denn jeder Verein ab der Oberliga muss mindestens einen Schiedsrichter für einen zentralen Pool stellen, der dann im Laufe der Saison bei mindestens 12 Spielen anderer Vereine in diesen Ligen pfeifen muss. In den Ligen darunter pfeifen die Teams ihre Spiele gegenseitig und in der Verbandsliga muss sich die Heimmannschaft selbst um einen externen Schiedsrichter bemühen.
Auch Klaes hatte ursprünglich keine großen Ambitionen als Schiedsrichter. Als die erste Herrenmannschaft der SG Sendenhorst noch in der Landesliga spielte und somit selbst in der Liga pfeifen musste, übernahm er das regelmäßig und fand Gefallen daran. Sein Talent fiel schließlich beim Bezirkspokalfinale auf, dass in Sendenhorst ausgetragen und von ihm gepfiffen wurde. Der Trainer des damaligen Drittligisten Ostbevern, der dort spielte, sprach ihn daraufhin an und fragte, ob er sich eine Tätigkeit als Pflichtschiedsrichter für deren Verein vorstellen könne. Auch wenn das später nicht mehr nötig war, da Ostbevern aufstieg und die SG-Damen, für die er, seitdem sie vor zwei Saisons in die Oberliga aufgestiegen sind, Pflichtschiedsrichter ist, noch nicht dort spielten, machte Klaes trotzdem ebenfalls 2019 die B-Lizenz – unabhängig von Busch, den er damals noch gar nicht kannte. Erst durch ihre gemeinsamen Einsätze in höheren Ligen trafen die beiden regelmäßig aufeinander: Da sie aus derselben Region kommen, wurden sie häufig gemeinsam eingeteilt. Aus dieser Zusammenarbeit entstand dann nicht nur eine gute Schiedsrichterpartnerschaft, denn über Klaes fand Busch zur Saison 2023/24 auch den Weg als Spieler zur SG Sendenhorst, wo er sich sehr wohlfühlt und ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft ist.
Mittlerweile haben beide ein beachtliches Niveau erreicht. Busch erhielt zur Saison 2025/26 die Zulassung für die 2. Bundesliga sowie für Einsätze als Linienrichter in der 1. Bundesliga. Für Klaes steht zur kommenden Saison wahrscheinlich derselbe Schritt an. Die finale Entscheidung über sein Hochrücken in die 2. Liga fällt in Kürze. Mit der Höherklassigkeit steigt natürlich auch der Druck, aber beide empfinden das als reizvolle Herausforderung. „Das Beste ist, wenn man gepfiffen hat und sich hinterher keiner daran erinnert, dass man da war. Dann hat man nicht viel falsch gemacht.“, sagt Busch.
In der kommenden Saison möchten beide zunächst in der 2. Bundesliga Fuß fassen und anschließend schauen, wohin ihr Weg noch führt.
Dabei hatten beide nie das Ziel, so hoch zu pfeifen. „Man macht einfach seinen Job und wird immer wieder beobachtet und dann im besten Fall für die höhere Liga vorgeschlagen. Dann nimmt das so weiter seinen Lauf“, beschreibt Busch die Entwicklung. Gleichzeitig motivieren positive Rückmeldungen der Beobachter und die Möglichkeit, sich stetig weiterzuentwickeln. „Es macht schon Spaß, dass es immer weiter nach oben geht“, sagt Klaes. Hinzu kommen die Zusammenarbeit mit dem Schiedsrichterkollegen und die Anerkennung durch Mannschaften nach gelungenen Einsätzen. Als Schiedsrichter beschäftigen sie sich außerdem intensiv mit Regeln und Spielsituationen. „Das bringt einem auf jeden Fall auch für das eigene Spiel etwas“, betont Klaes.
Dass das Schiedsrichten neben dem eignen Spielen aber viel Zeit in Anspruch nimmt, zeigen die Zahlen der vergangenen Saison: Klaes leitete 14 Spiele, Busch sogar 20. „Wenn Saison ist, besteht das Wochenende meistens nur aus Volleyball“, sagt Busch mit einem Lachen. Aber beide machen es ja in erster Linie, weil es ihnen Spaß macht.
Zum Abschluss appellieren die beiden noch an Spieler und Trainer zu einem respektvollen Umgang gegenüber den Schiedsrichtern und gegnerischen Mannschaften, vor allem in den unteren Ligen, in denen sich die Teams untereinander pfeifen. Denn eine faire, wertschätzende Atmosphäre macht nicht nur das Schiedsrichteramt attraktiver, sondern sorgt auch für noch mehr Spaß am Volleyball.